Mit Unterstützung zum Erfolg: Dorner Electronic
03.10.2026, 09:00 Uhr
In unserer Serie „Forschungskompetenzen nutzen“ präsentieren regionale und überregionale Forschungseinrichtungen ihre Angebote für heimische Unternehmen. In unserem ersten Herbstbeitrag gibt die Universität Innsbruck Einblicke in ihre Zusammenarbeit mit Vorarlberger Betrieben bei der Entwicklung neuer Materialien und Technologien für die energetische Gebäudesanierung.
Die Universität Innsbruck arbeitet mit Vorarlberger Unternehmen an neuen Materialien und Technologien für die energetische Sanierung von Gebäuden.
Dornbirn/Innsbruck Rund ein Drittel des österreichischen Energieverbrauchs entfällt auf Gebäude. Um die Klimaziele zu erreichen, braucht es deshalb nicht nur mehr, sondern vor allem effizientere Sanierungslösungen, die kostengünstiger, weniger aufwändig und alltagstauglicher sind als bisherige. An der Universität Innsbruck arbeiten mehrere Forschungsteams gemeinsam mit Vorarlberger Unternehmen an diesem Ziel und bringen neue Materialien und Technologien für die Praxis auf den Weg.
Neuartige Dämmung für Fassaden
Wo Gebäude unter Denkmalschutz stehen oder die Fassade erhalten bleiben soll, kommt eine Außendämmung oft nicht infrage. In diesen Fällen bietet die Innendämmung die Möglichkeit, Wärmeverluste deutlich zu reduzieren. Ohne sorgfältige Planung birgt sie jedoch auch Risiken: Wird die Feuchtigkeit in der Wandkonstruktion nicht richtig reguliert, drohen Bauschäden und Schimmelbildung. Um dieses Risiko zu minimieren, entwickeln Forschende der Universität Innsbruck mit Unterstützung der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) feuchtesichere Lösungen für die energetische Sanierung. Dabei arbeiten Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen eng zusammen. Michele Bianchi Janetti vom Arbeitsbereich Energieeffizientes Bauen verantwortet die bauphysikalische Seite des Projekts, die Materialentwicklung erfolgt gemeinsam mit Oliver Strube vom Institut für Chemieingenieurwissenschaften. „Innendämmungen sind für viele historische Gebäude die einzige Möglichkeit, energetisch saniert zu werden, ohne die Fassade zu verändern. Unser Ziel ist es, das Feuchterisiko mithilfe intelligenter Materialien dauerhaft zu beherrschen“, sagt Bianchi Janetti.
Gemeinsam mit dem Vorarlberger Unternehmen natürlich bauen LM OG aus Götzis entwickelt das Team um Oliver Strube eine innovative Beschichtung, die erstmals die Funktion einer feuchteadaptiven Dampfbremse in Form eines Anstrichs übernehmen soll. Bisher sind solche Dampfbremsen nur als Folie verfügbar. „Wir gehen molekular vom Polymer im Lack aus und entwickeln daraus eine völlig neue Materialeigenschaft. Anders als eine Folie lässt sich unsere Beschichtung über Zusammensetzung und Schichtdicke flexibel an die jeweiligen bauphysikalischen Anforderungen anpassen“, erklärt Strube.
Im gemeinsamen Forschungsprojekt spielt der Vorarlberger Praxispartner eine zentrale Rolle. Ein besonderer Fokus liegt auf der Kombination dieser Anstriche mit dem nachhaltigen Material CarbonClay aus Pflanzenkohle und Lehm sowie mit Recycling-Dämmstoffen wie Zellulose-Einblasdämmung. Nach der Nutzung lässt sich die Polymerbeschichtung von der Trägerplatte trennen, sodass beide Komponenten im Sinne der Kreislaufwirtschaft wiederverwertet werden können.
Wärmepumpen für den Bestand
Ein weiteres FFG-gefördertes Projekt mit Vorarlberg-Bezug widmet sich der nachhaltigen Wärmeversorgung von Bestandsgebäuden. Unter der Leitung von Fabian Ochs, ebenfalls vom Arbeitsbereich Energieeffizientes Bauen, entwickelt ein interdisziplinäres Team neue Wärmepumpentechnologien speziell für die Sanierung mehrgeschossiger Wohngebäude. Der Umstieg von Gas- und Ölheizungen auf erneuerbare Systeme gilt als zentraler Baustein der österreichischen Klimastrategie. Die Sanierungsrate liegt jedoch seit Jahren bei deutlich unter einem Prozent. „Technische Lösungen für den Fenstertausch oder die Dämmung gibt es längst. Was fehlt, ist eine überzeugende, alltagstaugliche Antwort auf die dezentrale Wärmeversorgung einzelner Wohnungen. Genau hier setzt unser Projekt an“, sagt Fabian Ochs.
Gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Forschung verfolgt das Team einen minimalinvasiven, industrialisierten Ansatz: Eine zusammen mit der Wolfurter Drexel und Weiss Energieeffiziente Haustechniksysteme GmbH entwickelte kompakte Wärmepumpe mit Lüftungsgerät und Wärmerückgewinnung wird mit modularen, vorgefertigten Fassadenelementen der steirischen Firma Kulmer Holzbau kombiniert. Die Lösungen werden derzeit in sieben baugleichen Demonstrationsgebäuden der Sozialbau AG in Wien umgesetzt, miteinander verglichen und wissenschaftlich bewertet. Mit dem Energieinstitut Vorarlberg ist zudem ein weiterer starker Partner aus Vorarlberg in das Projekt eingebunden.
Sanierung alltagstauglich machen
Beide Forschungsprojekte zeigen, wie durch die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft thermische Sanierung praxistauglicher, kostengünstiger und breiter einsetzbar werden kann. Für Vorarlberger Unternehmen eröffnet die Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck einen direkten Zugang zu universitärer Forschung, deren Erkenntnisse rasch in marktfähige Produkte und innovative Sanierungskonzepte einfließen.
©Sozialbau AG, Bettina Michel | ©Universität Innsbruck | ©Broell Fotografie