Vorarlberger Innovationsbericht 2026
20.06.2026, 09:00 Uhr
In unserer VN-Serie „Forschungskompetenzen nutzen“ stellen Vorarlberger Forschungseinrichtungen ihr Leistungsspektrum vor und zeigen, wie sie Unternehmen bei Innovation und Technologietransfer unterstützen. Diesmal im Porträt: die FHV – Vorarlberg University of Applied Sciences.
Die KI-gestützte Software von FHV und Intefox hilft, Energie effizienter zu nutzen.
Wie viel Energie in Gebäuden tatsächlich eingespart werden kann, hängt nicht nur von moderner Technik ab, sondern auch vom Verhalten der Menschen, die sie nutzen. Genau hier setzt ein gemeinsames Forschungsprojekt des Forschungszentrums Human-Centred Technologies der FHV – Vorarlberg University of Applied Sciences und des Lustenauer Unternehmens Intefox an. Intefox, der führende Anbieter von Gebäudeautomationslösungen in Vorarlberg, entwickelt innovative Software- und Hardwarelösungen, die Gebäude intelligenter, effizienter und einfacher steuerbar machen. Ziel der Kooperation im Rahmen des FFG-geförderten Projekts SimLern war die Entwicklung einer Software, die Gebäudetechnik und Nutzer*innen intelligent miteinander verknüpft. Denn obwohl moderne Gebäude über umfangreiche Sensorik und Automatisierung verfügen, bleibt in der Praxis oft ein großes Energieeinsparpotenzial ungenutzt – etwa, weil technische Möglichkeiten, Nutzerverhalten und manuelle Eingriffe nicht optimal zusammenspielen.
KI‑gestütztes Empfehlungssystem
Die Herausforderung lag im komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Dynamiken: Technische Systeme reagieren innerhalb von Sekunden, während sich Raumtemperaturen aufgrund der thermischen Masse eines Gebäudes oft nur langsam verändern. Gleichzeitig passen Menschen ihr Verhalten laufend an Bedürfnisse und Gewohnheiten an. Um diese Zusammenhänge besser sichtbar und verständlich zu machen, entwickelte die FHV eine KI-gestützte Software, die laufend Gebäudedaten analysiert – etwa Temperatur-, Luftqualitäts- und Nutzungsdaten. Auf dieser Basis erstellt das System konkrete Handlungsvorschläge zur Optimierung des Energieverbrauchs. Das reicht von angepassten Einstellungen in der Gebäudeautomation, etwa wenn die Beleuchtung regelmäßig manuell eingeschaltet wird, bevor die Automatik reagiert, bis hin zu Nachrichten an Nutzer*innen bei zu lange geöffneten Fenstern oder ineffizientem Heiz- und Lüftungsverhalten. Dabei lernt das System aus den Reaktionen der Nutzer*innen und passt Inhalt und Tonalität der Empfehlungen dynamisch an. Ergänzend werden Large Language Models genutzt, um technische Erkenntnisse verständlich und zielgruppengerecht aufzubereiten. Besonders wichtig für den Technologietransfer war die Erprobung in einem tatsächlich genutzten Gebäude. In diesem sogenannten Living Lab konnte die Lösung unter realen Bedingungen getestet und laufend weiterentwickelt werden – ein wichtiger Schritt von der Forschung in die Anwendung.
Das Projekt hat uns dabei unterstützt, KI-basierte Methoden gezielt in der Gebäudeautomation einzusetzen und praxisnah weiterzuentwickeln. Durch die intelligente Verknüpfung von Gebäudedaten, Nutzerverhalten und Datenanalyse entstanden neue Ansätze für energieeffiziente und nutzerzentrierte Gebäude sowie eine wichtige Grundlage, um Forschungsergebnisse in reale Anwendungen und zukünftige Produkte zu überführen.
Vom Forschungsprojekt zur praxistauglichen Anwendung
Das Projekt zeigt beispielhaft, welchen Mehrwert die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen für Unternehmen bieten kann: Sie erhalten niederschwelligen Zugang zu wissenschaftlichem Know-how, moderner Infrastruktur und neuen methodischen Ansätzen. So lassen sich Innovationen schneller und mit geringerem Risiko in praxistaugliche Lösungen überführen, die direkt in bestehende Prozesse oder Produkte integriert werden können. Auf dieser Basis soll auch die Zusammenarbeit zwischen FHV und Intefox weitergeführt werden. Die Kooperation besteht bereits seit mehreren Jahren; nun geht es darum, die entwickelte Technologie weiter auszubauen und in Richtung marktfähiger Anwendung zu bringen. Die FHV bringt dafür ein starkes Forschungsumfeld mit: Mit über 100 Forschenden in sieben Forschungszentren und -gruppen zählt sie zu den forschungsstärksten Fachhochschulen Österreichs. Ihr Fokus liegt auf hochwertiger, anwendungsorientierter Forschung, die konkrete Bedarfe von Wirtschaft und Gesellschaft aufgreift und wissenschaftliche Erkenntnisse gezielt in die Praxis überführt. Das Forschungszentrum Human-Centred Technologies arbeitet laufend in Förder- und Auftragsprojekten an den Schnittstellen von Technologie, Gesundheit, Lernen und Nutzerverhalten – etwa in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Virtual und Augmented Reality sowie Raum- und Körpersensorik. „Das Projekt hat Intefox dabei unterstützt, KI-basierte Methoden gezielt in der Gebäudeautomation einzusetzen und praxisnah weiterzuentwickeln. Besonders wertvoll war die Verbindung aus Gebäudedaten, Nutzerverhalten und intelligenter Analyse, wodurch neue Ansätze für energieeffiziente und nutzerzentrierte Gebäude entstanden sind“, sagt Quirino Nardin, CEO von Intefox. „Für uns war das Projekt ein wichtiger Schritt, um Forschungsergebnisse direkt in reale Anwendungen zu überführen und innovative Lösungen für zukünftige Produkte und Projekte vorzubereiten.“
© FHV – Vorarlberg University of Applied Sciences | © Intefox GmbH | © Broell Fotografie